Darf ich als Freier PR machen?

Mit dieser Frage stoßen Sie in den Journalisten-Foren, wie auch bei anderen Gelegenheiten in ein Wespennest. Es ist fast eine Frage der Religion. Es gibt viele Freie, die PR strikt ablehnen. Ich vertrete die Ansicht, dass eine Ablehnung Unsinn ist. Kein Freier wird seine und Anhängigkeit oder Glaubwürdigkeit verlieren, wenn er professionelle PR macht! Seien wir doch mal ehrlich: ein Freier ist niemals völlig frei. Niemand kann PR für einen Auftraggeber betreiben, wenn er die Sache innerlich ablehnt, die er vertreten sollen. Wer die Atomenergie grundsätzlich ablehnt, wird kaum für den Verband der Kernenergieunternehmen arbeiten. Wer die CSU verteufelt, ist schlecht beraten, wenn er in Erwägung zieht, für den Bayernkurier zu schreiben. Und wer als Freier keinen Kaffee mag, dagegen gerne Tee trinkt, kann schon für den Verband der Tee-Industrie arbeiten. Jeder Freie sollte sich davor hüten, Public Relations zu verteufeln und stattdessen das Hohe Lied der Unabhängigkeit anzustimmen. Wer einen bestimmten Standpunkt vertritt, wird diesen auf mittlere oder lange Sicht niemals verbergen können. Und kommt erstmal heraus, dass man in seinen Texten, eine andere Meinung vertritt, verliert man vollends seine Glaubwürdigkeit.
Wer richtig abgegrenzt, tut nichts falsches: einen professionellen Text über falsche Ernährung und Schokolade für eine PR-Agentur zu schreiben, heißt, bestellte Ware (in diesem Fall ist die Ware Text) abzuliefern und dafür ein Honorar zu kassieren. Unglaubwürdig wird, wer dasselbe Thema unmittelbar darauf als kritisches Verbraucherthema einer Tageszeitung anzubietet.