Wie baue ich Kontakte zu einer Redaktion auf und pflege diese Kontakte?
Auch das ist eine Gretchenfrage. Kontakte zu Redaktionen aufzubauen und zu pflegen ist eine ziemlich zeitaufwändige Angelegenheit. Ich kann hier nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten und versuchen, ein paar Tipps geben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben Sie diese Frage angeklickt, weil Sie erst am Anfang Ihrer journalistischen Karriere stehen. Daher sind meine Tipps auf eine solche Situation abgestellt.
Besorgen Sie sich zuerst den Stamm. Dann begeben Sie sich in eine gut sortierte Zeitschriftenhandlung (Kioske am Bahnhof sind äußerst lohnend) und kaufen sich alle Zeitschriften und Zeitungen, die Sie bekommen können. Bei Zeitungen sollten Sie sich eine Wochenendausgabe und mindesten zwei Werktagsausgabe beschaffen. In der Wochenendausgabe sind meistens andere (zusätzliche) Ressorts vertreten. Auch in den Werktagsausgaben sind nicht immer und an jedem Tag alle Ressorts präsent.
Dann gilt es zunächst, das jeweilige Impressum sorgfältig zu studieren, um festzustellen, wer in welchem Ressort der zuständige Ansprechpartner ist. Wenn das Impressum unvollständig ist, das kommt durchaus vor, greifen Sie zum Telefon und rufen das Redaktion-Sekretariat an, um zu versuchen, die benötigten Angaben zu bekommen. Sagen Sie der Dame (oder dem Herrn) direkt, was sie wollen. Die Mitarbeiter im Sekretariat sind meistens recht freundlich und hilfsbereit. Fragen Sie nach den zuständigen Ansprechpartnern und eventuell auch nach der Telefondurchwahl und der E-Mail-Adresse. Bitte akzeptieren Sie, wenn Ihnen E-Mail-Adressen und Telefonnummern nicht so ohne weiteres bekannt gegeben werden. In vielen Fällen ist man mit solchen Details zurückhaltend.
Natürlich tragen Sie alle Angaben sorgfältig in Ihr Notizbuch oder die Datenbank Ihres PC ein. Wenn Sie auf diese Art und Weise beispielsweise die Ansprechpartner des Kulturressorts von zwei Dutzend Tageszeitungen zusammengetragen haben, wissen Sie, dass damit eine Menge Arbeit verbunden gewesen ist. Entsprechend sorgsam werden Sie Ihren Schatz hüten.
Es gibt zwei wichtige Diskussionforen im Internet, jonet und journalismus.com. Die Foren sind auch eine Börse für den Informationsaustausch. Sollten Sie einmal nicht weiterkommen, lohnt vielleicht ein Versuch, die Zuständigkeit für ein Ressort in diesen Foren zu erfragen. Aber seien Sie nicht zu hoffnungsvoll, eine (richtige) Antwort zu bekommen. Kontakte und Namen gehören zum (kostbaren) Handwerkszeug für Journalisten. Man gibt sie nur zögerlich preis.
Auf keinen Fall sollten Sie in den Foren zu einem Rundumschlag ausholen. Etwa mit der Frage: Ich brauche die Namen der Politik-Redakteure und die Telefonnummern aller regionalen Tageszeitungen. Selbst wenn jemand diese Daten hat, wird er sie kaum auf diesem Wege preisgeben. Mit solchen Fragen geben Sie zu erkennen, dass Sie zu bequem sind, die Daten selbst zu recherchieren. Zusätzlich zu den Impressen in den Printausgaben, bietet sich das Internet als Recherche-Werkzeug an. Das ist ein wenig mühsam und macht Arbeit. Falls jemand sich diese Arbeit gemacht hat, wird er die Früchte dieser Arbeit nicht so ohne weiteres in den genannten Foren ausplaudern.
Streng genommen, sind in den Foren nur Fragen gestattet, die sie sich auch durch mehr oder weniger intensive Recherche nicht selber beantworten können. Dieses ungeschriebene Gesetz wird zuweilen allerdings lax gehandhabt. Besonders gegenüber Newcomern verhält man sich bisweilen großzügig.
Wenn Sie schließlich ein Namens- und Kontaktverzeichnis aufgebaut haben, wäre es der größte Fehler, sofort zum Telefon zu greifen. Studieren Sie zunächst ausgiebig den Inhalt der Titel, die Sie (am Bahnhof) gekauft haben. Machen Sie sich mit dem Inhalt vertraut. So vermeiden Sie, dass Sie ein Thema anbieten, dass gerade abgehandelt wurde.
Oder Sie vermeiden, dass Sie ein Thema zu einem Ressort anbieten, welches grundsätzlich von Nachrichtenagenturen bedient wird, meistens erkennbar am Agenturkürzel zu Beginn oder am Ende des Textes.
Wenn Sie Kontakt aufnehmen, sollten Sie auf jeden Fall den Eindruck vermitteln, dass Sie das jeweilige Blatt zumindest in Grundzügen kennen.
Kontaktpflege
Bestehende Kontakte wollen gepflegt werden. Ein telefonischer Anruf (auch wenn Sie kein konkretes Anliegen haben) birgt Risiken, wenn er nicht zum passenden Zeitpunkt geschieht. Bei Tageszeitungen sollten Sie die Zeiten meiden, zu denen Ihr Kontakt wahrscheinlich beschäftigt ist. Am späten Vormittag ist wahrscheinlich Redaktionskonferenz. Am frühen Abend besteht die Gefahr, dass Ihr Kontakt mit Hochdruck an den Beiträgen für die Ausgabe des kommenden Tages arbeitet. Rufen Sie zum Zwecke des Smalltalks besser am frühen Nachmittag an.
Für das Ressort Wochenendbeilage gelten etwas andere Bedingungen. Der Mittwoch, und ganz besonders der Donnerstag sind ganztägig tabu. Ihr Kontakt hatte wahrscheinlich alle Hände damit zu tun, die Seiten für das kommende Wochenende zu bearbeiten, beziehungsweise zu redigieren. Planen Sie Anrufe für dieses Ressort besser für montags oder dienstags.
Vergessen Sie nie, dass die meisten Redaktionen heutzutage personell am Limit arbeiten. Da macht sich jede Störung unangenehm bemerkbar.
Besonders bei frisch gemachten Kontakten, wenn sie ihren ersten Auftrag bekommen haben, kann es sehr sinnvoll sein, Ihren Partner persönlich aufzusuchen. Sie dokumentieren damit, dass Sie ein besonderes Interesse haben. Selbstverständlich statten Sie einen solchen Besuch nur nach Ankündigung, beziehungsweise nach gezielter Verabredung ab. Auch wenn Sie für einen solchen Besuch ein paar hundert Kilometer weit fahren müssen, kann sich der Aufwand auszahlen. Ein persönliches Gespräch ist aus vielen Gründen sehr wertvoll. Es bietet die Gelegenheit, Ihre Mappe mit Arbeitsproben zu präsentieren und die Arbeitsproben eventuell noch zu kommentieren. Zusätzlich erreichen Sie mit so einem Gespräch einen wichtigen Punkt: Ihr Gesprächspartner hat sie gesehen. Bei zukünftigen Telefonaten wird er mit Ihrer Stimme auch Ihr Gesicht verbinden. Wenn Sie einen guten Eindruck bei dem persönlichen Gespräch gemacht haben, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Ich selbst habe ein paar solcher Reisen unternommen, um ein persönliches Gespräch zu führen. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn dadurch sind gute Kontakte entstanden, die sich in klingender Honorar-Münze ausgezahlt haben.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 10. Oktober 2010 um 11:12 Uhr