Konjunktive

Ein beklagenswerter Zustand ist das mangelnde Gefühl für passende Ausdrucksweise vieler Zeitgenossen. Exemplarisch seien - obwohl sie in gewisser Weise eine Vorbildfunktion haben sollten - Moderatoren und Moderatoren der deutschen Privatsender (Radio und Fernsehen!) genannt. Was würden die wohl ohne das garstige Hilfsverb würde(n) machen. Aber im Ernst: Nicht alle Konkunktive wirken ästhetisch und sind zweitgemäß. Es gab Zeiten, als man Luther-Deutsch sprach (und schrieb) und Ergüsse wie folgende zitierte:
Was hülfe es den Eltern, Genossen, wenn es eine Ganztagsschule gäbe.
Wegen der vielen Verkehrsstaus führe ich lieber mit der U-Bahn.
Oder, um es aus die Sptze zu treiben: Bei der Kälte gefröre ich ohne warmen Mantel zum Eisblock.
Das mag zwar korrektes Deutsch sein, wirkt aber sehr gestelzt und antiquiert. Es gibt also durchaus Fälle, in denen es passender ist zur Krücke würde zu greifen. Schleierhaft ist mir allerdings der inflationäre verbale Einsatz von würde sein (statt wäre), würde tun (statt täte), würde gehen (statt ginge), würde kommen (statt käme). Es würde mir übrigens nicht leid tun, wenn Sie meine diesbezügliche Meinung nicht teilen würden. Aber wenn Sie sie nicht teilten, täte es mir leid.
In diesem Land wird mit würden (auch von Journalisten) sehr viel Schindluder getrieben. Es gibt doch tatsächlich Menschen, in deren Büro ein Schild mit der Aufschrift hängt "Wir würden Sie bitten, nicht zu rauchen!". Es würde auch einfacher gehen (Pardon, es ginge einfacher): "Wir bitten Sie, nicht zu rauchen!"