Aphorismen

Es gibt Unmenschen an Aphorismen. Nicht jeder Gedankenblitz ist ein Aphorismus. Bibliotheken stehen voll mit Aphorismen-Büchern. Und da kommt Axel Voss daher und will uns auf seiner Website mit Aphorismen beglücken? Ja und nein. Es sind nicht irgendwelche Aphorismen, sondern welche die entweder
a) besonders scharfsinnig sind
b) einen Bezug zu Journalismus und/oder der Presse haben
c) zu den anderen Beiträgen auf diesem Portal eine Beziehung haben

Ich bin übrigens sehr empfänglich für weitere Aphorismen, besonders wenn sie zu Presse und Journalismus in Beziehung stehen. Kennen Sie einen passenden Gedankenblitz, der bei mir noch nicht auftaucht, dann senden Sie doch bitte eine Emai an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Vielen Dank für Ihre Mühe! Neue Aphorismen werden unter Abgabe des Einsenders veröffentlicht, es sei denn, Sie wünschen keine Namensangabe. Zur Vermeidung von Missverständnissen ist es erforderlich, dass Sie der Namensangabe ausdrücklich zustimmen.

Canetti, Elias

Aufzeichnungen:


Mein größter Wunsch ist es zu sehen, wie eine Maus eine Katze bei lebendem Leibe frißt. Sie soll aber auch lange genug mit ihr spielen.   


Er hat die herzlosen Augen eines über alles Geliebten.

Die Toten nähren sich von Urteilen, die Lebenden von Liebe.

Man hat kein Maß mehr, für nichts, seit das Menschenleben nicht mehr das Maß ist.

Er geht unter die Soldaten: er will nicht mehr wissen, was geschieht; er will nicht mehr wissen, was er tut.

Jeder Dummkopf kann den kompliziertesten Geist, wann immer er Lust hat, verstören. 

Was dem Armen die Hoffnung, ist dem Reichen der Erbe.

Die aus der Geschichte nicht mehr herausfinden, sind verloren, und alle ihre Völker dazu. 

Es ist hoffnungsvoll, daß die ganze Erde so heißt wie jedes Stück von ihr.  

Es gibt keinen starken Wunsch, für den man nicht zahlen muß. Doch sein höchster Preis ist, daß er in Erfüllung geht.

Am besten sitzt es sich unter Menschen, die man nie wieder sehen wird, man hält sie genau so lange aus, als man glaubt, daß sie einem nie etwas tun werden.

 

Jünger, Friedrich Georg

Ein guter Satz hat viele Fenster.   

Freiheit ist etwas, das ich hervorbringen muß. Sie produziert sich nicht in mir, wenn ich nichts produziere.

Der Beweis fügt einer Wahrheit nichts hinzu. 

Ein Mensch, der argumentiert, hat nichts Nobles.

Wer viel einteilt, teilt wenig aus.

Das Vergangene ist in beständiger Verwandlung begriffen. Wenn es sich nicht verwandelte, würden wir keine Zukunft haben.

Wer nur denkt, was er weiß, der denkt noch gar nicht.

Nachdenken folgt dem Gedanken.

Deutlich werden uns die anderen durch das Eigene. Das Eigene aber wird uns deutlich durch die anderen. Ohne Spiegel gibt es keine Erkenntnis.

Die Aufgabe der Wissenschaft wird immer sichtbarer. Ihr Amt ist es, uns in die dürftigste aller Welten zu führen.

Gäbe es Wesen, die den Menschen alle Wünsche erfüllen, so wären das keine Götter, sondern Dämonen.

Wenn die Wahrheit etwas Erdichtetes wäre, wäre sie dann weniger Wahrheit?  

Wer an einen Glauben glaubt, der läßt andere für sich glauben.   

Ekle dich nicht vor der Verwesung. Du bleibst nur, indem du dich wandelst. Du mußt dich verwandeln, um bleiben zu können.

 
 

Benjamin, Walter

Zentralpark

Das Labyrinth ist der richtige Weg für den, der noch immer früh genug am Ziel ankommt. Dieses Ziel ist der Markt.

Die gegenständliche Umwelt der Menschen nimmt immer rücksichtsloser den Ausdruck der Ware an. Gleichzeitig geht die Reklame daran, den Warencharakter der Dinge zu überblenden. Der trügerischen Verklärung der Warenwelt widersetzt sich ihre Einstellung ins Allegorische. Die Ware sucht sich selbst ins Gesicht zu sehen. Ihre Menschwerdung feiert sie in der Hure.   

Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit - und das ist immer die gleiche: der Tod.

Zum Bilde der Rettung gehört der feste, scheinbar brutale Zugriff.

Die Mode ist die ewige Wiederkehr des Neuen. - Gibt es trotzdem in der Mode Motive der Rettung?

Die Rettung hält sich an den kleinen Sprung in der kontinuierlichen Katastrophe.

 
 

Kafka, Franz

Aus den acht Oktavheften:

Ich irre ab.
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. 

Psychologie ist Ungeduld.
Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld, ein vorzeitiges Abbrechen des Methodischen, ein scheinbares Einpfählen der scheinbaren Sache.  

Wer glaubt, kann keine Wunder erleben. Bei Tag sieht man keine Sterne.  

Wer sucht, findet nicht, aber wer nicht sucht, wird gefunden. 

Wir wurden aus dem Paradies vertrieben, aber zerstört wurde es nicht. Die Vertreibung aus dem Paradies war in einem Sinne ein Glück, denn wären wir nicht vertrieben worden, hätte das Paradies zerstört werden müssen.

Die scheinbare Stille, mit welcher die Tage, die Jahreszeiten, die Generationen, die Jahrhunderte aufeinanderfolgen, ist ein Aufhorchen; so traben Pferde vor dem Wagen.

Wer nur für die Zukunft sorgt, ist weniger vorsorglich, als wer nur für den Augenblick sorgt, denn er sorgt nicht einmal für den Augenblick, sondern nur für dessen Dauer.

Die Kontemplation und die Tätigkeit haben ihre Scheinwahrheit; aber erst die von der Kontemplation ausgesendete oder vielmehr die zu ihr zurückkehrende Tätigkeit ist die Wahrheit.   

 
 

Kaiser, Georg

Ansichten:

Es geht um die Freiheit des Geistes. Was heißt das? Es geht um die Kraft des Lebens.  
Wille und Unwille. Mein Wille ist längst zum Tode bereit - aber mein Unwille hängt am Leben.

Man muß sich immer so viel Energie bewahren, um sich gegen das Leben entscheiden zu können.   

Das Antlitz der Natur ist der Mensch.
Man kann aus einem Wischlappen keinen Funken schlagen.

Man kann die Menschen nicht bessern, man kann ihnen nur immer mehr verbieten. 

Mit Güte soll man die Menschen am wenigsten belästigen. Höchstens mit Bösem, dann können sie ihr Böses im Gegenschlag verwenden. Am besten: man belästigt sie weder mit Güte noch mit Bösem.

Ein anständiger Mensch braucht keine Religion - und bei den anderen ist sie wirkungslos.   

In einem Saustall das Evangelium predigen, hat noch nie den Schweinen das Grunzen abgewöhnt. 

Es gibt kein Aufwärts - es gibt nur ein Abwärts. Gott ist unterirdisch.

Wenn der Durchschnitt überhaupt eine Rolle spielen soll, dann kann er es nur im Militarismus.

Kannibalismus - Militarismus - Nationalismus.

 
 

Schaukal, Richard

Betrachtungen

Jeder Mensch, der eine sogenannte Wissenschaft oder eine Berufstätigkeit betreibt, ohne daß sie ihm jemals nichtig scheinen könnte, ist unbedingt dumm.   

Reife muß nicht gleich in Säure übergehen.

Wissen macht nicht frei, sondern erblinden gegen die Unfreiheit des Lebens.

Gefühl ist eine Unart, die man sich nicht abgewöhnt.

Der Hund bellt, wenn ihn etwas erregt. Der Mensch spricht j immer. 

Wenn die Menschen sich nicht aushalten, unterhalten sie sich miteinander.   

Kein Prophet gilt im Vaterlande, aber draußen weist er sich mit dem Heimatschein aus.

Die Dummheit der formalen Logik überwindet jedes Hindernis natürlicher Einsicht ins Chaos des Lebendigen.

Wer etwas ist, hat alle gegen sich, die etwas werden wollen.

Es ist gut, wenn man die Zeichen der Zeit versteht, besser aber, wenn man keine Ahnung davon hat. Nur die Augenblicke der Zeitlosigkeit gewähren reinen Genuß am Dasein.

Das Ideal: als Gefühl des Idealisten eine Wahrheit, wahrer als jede Wirklichkeit; als Begriff des Banausen eine Lüge, wirklich wie seine Dummheit.  

Grundsätze hat jedermann dort, wo er Herr ist.

 
 

Morgenstern, Christian

Sprache

Der österreichische Dialekt ist darum so hübsch, weil die Rede beständig zwischen Sichgehenlassen und Sichzusammennehmen hin und her spielt. Er gestattet damit einen durch nichts andres ersetzbaren Reichtum der Stimmungswiedergabe.   

Ich mag Worte wie gleichwohl oder immerhin gern leiden; denn sie erlauben, nach etwas Abfälligem noch eine Menge Anerkennendes zu sagen.

Es gibt Menschen, welche Schlagworte wie Münzen schlagen, und Menschen, welche mit Schlagworten wie mit Schlagringen zuschlagen.
Nichts ist so verbreitet wie das Schlagwort. Es wird bis in die höchsten Geisteskreise hinauf gebraucht und hängt oft noch dem Scharfsinnigsten als Zöpfchen hinten.   

Politisches und Soziales


Das macht den Deutschen von heute so unbeliebt: Er beruft sich bei jeder Gelegenheit auf seine »Geistesheroen«, die doch fast immer nur im Gegensatz zu ihm gelebt haben, und ist dabei genauso auf seinen Vorteil bedacht wie der Nachbar.   

Alles öffentliche Leben ist wenig mehr als ein Schauspiel, das der Geist von vorgestern gibt, mit dem Anspruch, der Geist von heute zu sein.   

 
 

Schnitzler, Arthur

Aphorismen und Betrachtungen:

Was bedeutet das Unerträglichere im Drama: der Tiefsinn, den uns eine Puppe zum besten gibt oder die Plattheit, mit der uns eine lebensvolle Gestalt langweilt?   

Aus dem Werke manches Dichters spüren wir wohl heraus, daß er irgendwie und irgendwo ein Genie ist, nur leider gerade nicht in einer Dichtung

Manche Künstler wissen sich ihren Ruf mühselig genug nur dadurch zu erhalten, daß sie sich immer wieder an Aufgaben wagen, denen ihre Kraft nicht gewachsen ist.

Als Künstlernatur bezeichnen wir im allgemeinen die Summe von Eigenschaften, die den Künstler im Produzieren behindert.  

Ein neuer Gedanke - das ist meist eine uralte Banalität in dem Augenblick, da wir ihre Wahrheit an uns selbst erfahren.   

Wie oft halten wir für Unversöhnlichkeit der Ansichten, was nichts anderes ist als Verschiedenheit der Temperamente.  

Daß du ihn völlig durchschautest, das hat dir noch keiner verziehen, er mag noch so gut dabei weggekommen sein.

Du kannst einen Menschen daran hindern, zu stehlen, aber nicht daran, ein Dieb zu sein.

Es ist keine Höflichkeit, einem Lahmen den Stock tragen zu wollen.

Keinen Anlaß zur Lüge haben, heißt noch nicht: aufrichtig sein.   

 
 

Hauptmann, Gerhart

Kunst und Literatur

Der beste Teil des Talentes ist vielleicht das Glück, mit den Großen aller Zeiten in den stillen Geheimbund getreten zu sein.   


Die Sprache, sofern sie die Gegenwart betrifft, ist unartikuliert. Ihr Entwicklungsgebiet ist Vergangenheit und Zukunft.   

Worte sind Fehlschüsse, leider aber unsere besten Treffer.

Was man der Handlung gibt, nimmt man den Charakteren.

Eine stille Dramatik findet nicht einmal unter den Fischen im Meere statt.  


Polemisches:


Es gibt Esel, die tote Adler mit den Zähnen rupfen, um sich in ihren Federn zu wälzen.
  
Eitelkeit ist eine schöne Wiege für Erwachsene.   

Nichts liebe ich mehr als das kalte, klare, reine Gebirgs-wasser, sagte der Schlammpeitzker und schnellte vergnügt durch die dicke, warme Lehmpfütze.   


Die Benachteiligten und Erfolgsarmen halten sich auf gewisse Weise reichlich schadlos.   

Es gibt in der Welt allzuviel geistreichen Schweiß.

Es gibt ein Genie der Oberflächlichkeit.   

 
 

Busch, Wilhelm

Gedanken zur Zeit:

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung.   


Man kann sein Geld nicht schlechter anlegen als in ungezogenen Kindern.   


Der Doktor sieht aus dem Fenster: Noch immer kein Ostwind!? Noch immer keine Lungenentzündung!?   


Er mußte erst mit dem Kopf gegen die Bäume rennen, ehe er merkte, daß er auf dem Holzwege war.   


Mancher kann nicht aus dem Fenster hinausdenken.


Ein neues Klavier hat ungeborenen Lärm im Leibe.


Fernsicht gibt's, und wär's nur von einem Maulwurfshaufen.   


Lachen ist Ausdruck der gekitzelten Eitelkeit.   


»Bitte treten Sie näher!« sagte der Teufel.   

Gesunder Magen bleibt unbeachtet: Viel Arbeit, wenig Dank.   

Kein Festland ist die Welt.   

Der Schuldenmacher gräbt ein Loch, und ein zweites, um die Erde hineinzubringen.   


Scheint die Welt so groß, weil der Kopf so klein?


Wer rudert, sieht den Grund nicht.  


Zahlen sind die Naturkräfte, belauscht in ihren Gewohnheiten.   

 
 

Lichtenberg, Georg Christoph

Aus den Sudelbüchern:

Es scheint als wenn Herr S., der durch das Tor der Geschichte in den Tempel des Ruhms gekommen, sich nun wieder durch das Türchen der Dichtkunst hinausschleichen wollte.

Die Zeitungsschreiber haben sich ein hölzernes Kapellchen erbaut, das sie auch den Tempel des Ruhms nennen, worin sie den ganzen Tag Porträte anschlagen und abnehmen und ein Gehämmer machen, daß man sein eignes Wort nicht hört.   


Einen Gedanken zu finden, wobei sich allemal jeder Mensch der ihn hört todlacht.

Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.   
Es ist eine Bemerkung die ich durch vielfältige Erfahrung bestätigt gefunden habe, daß unter Gelehrten diejenigen fast allezeit die verständigsten sind, die nebenher sich mit einer Kunst beschäftigen oder wie man im Plattdeutschen sagt klütern.

Der gesunde Gelehrte, der Mann bei dem Nachdenken keine Krankheit ist.   


Ob ein Mann, der schreibt, gut oder schlecht schreibt, ist gleich ausgemacht, ob aber einer, der nichts schreibt und stille sitzt, aus Vernunft oder aus Unwissenheit stille sitzt, kann kein Sterblicher ausmachen.

Ein Impromptu an dem er schon ein paar Tage zuvor in müßigen Stunden gearbeitet hatte.

Daß der Mensch das edelste Geschöpf sei läßt sich auch schon daraus abnehmen, daß es ihm noch kein anderes Geschöpf widersprochen hat.

 
 

Tucholsky, Kurt

Ein Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.  


Shaw. So ernst, wie der heiter tut, ist er gar nicht.


Der englische Schriftsteller William Gerhardi sprach einst: »Wenn eine Frau sagte, sie sei genau wie alle Frauen - die wäre anders.«


Golf, sagte einmal jemand, ist ein verdorbener Spaziergang.

Nähme man den Zeitungen den Fettdruck -: um wieviel stiller wäre es in der Welt -!   

Wenn ein Kommunist arm ist, dann sagen die Leute, er sei neidisch. Gehört er dem mittleren Bürgertum an, dann sagen die Leute, er sei ein Idiot, denn er handele gegen seine eignen Interessen. Ist er aber reich, dann sagen sie, seine Lebensführung stehe nicht mit seinen Prinzipien im Einklang.
Worauf denn zu fragen wäre: Wann darf man eigentlich Kommunist sein -?


Man achte immer auf Qualität. Ein Sarg zum Beispiel muß fürs Leben halten.


Du mußt über einen Menschen nichts Böses sagen. Du kannst es ihm antun - das nimmt er nicht so übel. Aber sage es ihm nicht. Er ist in erster Linie eitel, und dann erst schmerzempfindlich.


Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten. Es sind keine sympathischen Leute.

 

 
 

Kraus, Karl

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können - das macht den Journalisten.  


Was ist ein Historiker? Einer, der zu schlecht schreibt, um an einem Tagesblatt mitarbeiten zu können.


Wenn Lieben nur zum Zeugen dient, dient Lernen nur zum Lehren. Das ist die zweifache teleologische Rechtfertigung für das Dasein der Professoren.  


Fürs Leben gern wüßt' ich: was fangen die vielen Leute nur mit dem erweiterten Horizont an?   


Kinder psychoanalytischer Eltern welken früh. Als Säugling muß es zugeben, daß es beim Stuhlgang Wollustempfindungen habe. Später wird es gefragt, was ihm dazu einfällt, wenn es auf dem Weg zur Schule der Defäkation eines Pferdes beigewohnt hat. Man kann von Glück sagen, wenn so eins noch das Alter erreicht, wo der Jüngling einen Traum beichten kann, in dem er seine Mutter geschändet
hat.  


Sie haben die Presse, sie haben die Börse, jetzt haben sie auch das Unterbewußtsein!   

Die Phrase ist das gestärkte Vorhemd vor einer Normalgesinnung, die nie gewechselt wird.  


Die Dorfbarbiere haben einen Apfel, den stecken sie allen Bauern ins Maul, wenn's ans Baibieren geht. Die Zeitungen haben das Feuilleton.  


Presse, Dummheit, Politik

Der Parlamentarismus ist die Kasernierung der politischen Prostitution.   

Das deutschliberale Pathos ist eine Mischung aus voraussetzungsloser Forschung und freiwilliger Feuerwehr.

Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, i wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.   
              
Kinder spielen Soldaten. Das ist sinnvoll. Warum aber spielen Soldaten Kinder?   

Der Sport ist ein Sohn des Fortschritts, und er trägt schon auf eigene Faust zur Verdummung der Familie bei.

Die Zeitungen haben zum Leben annähernd dasselbe Verhältnis, wie die Kartenaufschlägerinnen zur Metaphysik.

Nervenpathologie: Wenn einem nichts fehlt, so heilt man ihn am besten von diesem Zustand, indem man ihm sagt, welche Krankheit er hat.   

Die Irrsinnigen werden von den Psychiatern allemal daran erkannt, daß sie nach der Internierung ein aufgeregtes Benehmen zur Schau tragen.   

Eine umfassende Bildung ist eine gut dotierte Apotheke; aber es besteht keine Sicherheit, daß nicht für Schnupfen Zyankali gereicht wird.   

Wenn einer für universell gebildet gilt, hat er vielleicht noch eine große Chance im Leben: daß er es am Ende doch nicht ist.