Sprichwörtliche Zuverlässigkeit. 75 Jahre Ju 52. Erschienen im RHEINISCHEN MERKUR.

Schon kurz nach den ersten Motorflügen von Gustav Weißkopf im Jahr 1901 und den Gebrüdern Wright 1903 setzte eine rasante Entwicklung der Flugtechnik ein. Rückblickend ist es fast unglaublich, dass schon 1919 mit der legendären F 13 von Hugo Junkers das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt auf die Weltrekordhöhe von 6700 Metern stieg. Es hatte bereits die typische Wellblechbeplankung wie ihr Nachfolger, das Verkehrsflugzeug Junkers Ju 52, das vor 75 Jahren, am 13. Oktober 1930, zu seinem Jungfernflug abhob und später unter dem Namen „Tante Ju“ weltberühmt werden sollte.
1930 herrschte ein erbitterter Konkurrenzkampf am Himmel. Da waren Claude Dornier, der mit seinen Flugzeugen und Flugbooten am Bodensee experimentierte, Willy Messerschmidt mit seinen Bayerischen Flugzeugwerken in Bamberg, die Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Warnemünde und eben Hugo Junkers, der schon 1919 die Junker Flugzeugwerke AG in Dessau gegründet hatte.
Für die frühen Airlines, die sich fast ausschließlich auf den Personentransport konzentrierten, war der Luftverkehr kein sonderlich lukratives Geschäft. Nur erhebliche staatliche Subventionen erhielten die Fluglinien am Leben. Zwar gelang erst 1927 Charles Lindbergh der erste Transatlantikflug, aber bereits ein Jahr zuvor hatte die Lufthansa den Linienverkehr auf der Strecke Berlin-Peking eröffnet!

Hugo Junkers hatte Visionen. Nicht nur im Personenverkehr, auch im Transport von Gütern lag die Zukunft! Junkers beschloss daher die Entwicklung einer neuen Maschine auf Basis der F 13, die in erster Linie als Frachtflugzeug, darüber hinaus jedoch auch für den Passagiertransport dienen sollte. Dieser Entschluss fiel noch im Jahr 1930. Dass Junkers Prototyp im gleichen Jahr abheben sollte, lag an den damals recht kurzen Entwicklungszeiten für neue Maschinen und der bewährten Technik des Basismodells.

Junkers wusste um die defizitäre Situation der Airlines, hatte aber auch Länder im Blick, die technisch und verkehrsmäßig nur wenig erschlossen waren. Daher stellte er besondere Anforderungen an sein neues Flugzeug: Absolute Zuverlässigkeit, kurze Start- und Landestrecken, einfachste Wartung. Also nur einen Motor. Für einen Gütertransporter war das völlig ausreichend. Für den Passagiereinsatz wollte man aber aus Sicherheitsgründen drei Motoren haben.
Darum hatte die Ju 52, genaue Typenbezeichnung Ju 52/1m, anfangs auch nur einen Motor, einen robusten BMW VII mit 685 PS. Von dieser einmotorigen Ju 52 wurden allerdings nur wenige Exemplare gebaut. Und die Konstrukteure hatten im Hinblick auf den Passagiereinsatz vorgesorgt. Das Flugzeug war so ausgelegt, dass auch die beiden Tragflügel Motoren aufnehmen konnten. So entstand im Frühjahr 1931 die Ju 52/3m (für dreimotorig), und dieser Typ sollte zum berühmtesten der ganzen Junkersgeschichte werden.

Indes lagen dunkle Wolken über der weiteren Entwicklung. Die Weltwirtschaftskrise machte auch vor der Entwicklung des Luftverkehrs nicht halt. Die Borsig-Werke in Berlin, einer der größten Kunden von Junkers, steckten in ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten. Retter in der Not war zunächst die Lufthansa, die 1932 die ersten Maschinen übernahm. Allerdings ereignete sich im gleichen Jahr noch ein spektakulärer Zwischenfall in der Luft, der die sprichwörtliche Zuverlässigkeit der „Tante Ju“ begründete. Beim Zürcher Flugmeeting, einer Art Wettbewerbsveranstaltung der Flugzeugbauer, ging die Ju 52 als klarer Sieger hervor. Als sie dann noch auf dem Rückflug nördlich von München mit einem anderen Flugzeug kollidierte, dabei aber trotz erheblicher Schäden an Rumpf, Fahrwerk und Leitwerk noch so kontrollierbar blieb, das Flugkapitän Willy Polte sie auf einem Acker sicher landen konnte, war der Grundstein zum Weltruhm gelegt.

Die Qualitäten der „Tante Ju“ sprachen sich schnell herum. Es hagelte Aufträge aus aller Welt. Nun stand Junkers vor dem Problem, die Serienproduktion so effektiv wie möglich zu organisieren. Fließband- bzw. Taktproduktion im Automobilbau hatte Henry Ford längst eingeführt. Für ein ungleich komplizierteres Produkt wie ein Flugzeug, machte das Hugo Junkers. So wurde die „Tante Ju“ nicht nur zu einem der berühmtesten Flugzeuge der Luftfahrt, sondern auch das erste Großserienflugzeug der Welt. Von den mehr als 5000 Ju 52, die gebaut wurden, existieren heute weltweit nur noch fünf flugfähige Exemplare. Eines davon ist im Besitz der Lufthansa und wird vom Verein Freunde der Lufthansa Ju 52 e.V. liebevoll gehegt und gepflegt. Zwischen März und Oktober werden Rund- und Streckenflüge von vielen deutschen Flughäfen angeboten. Eine 30-minütige Reise mit der Luftfahrtlegende kostet 159 Euro.


Infokasten:

Freunde der Lufthansa Ju 52 e.V.

c/o HAM ZU/S

Postfach 630 300

22313 Hamburg

www.freunde-lufthansa-ju52.de


Infos zu Rund- und Streckenflügen:

Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung

Postfach 630 300

22313 Hamburg

Telefon 040/50701717

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